Milliardengeschäft Fußball: Welche Top-Liga ist auf dem besten Weg?

Das internationale Fußballgeschäft wird zunehmend von finanzkräftigen Investoren und lukrativen TV-Verträgen bestimmt. Während die englische Premier League längst den scheinbar maßlosen Kräften des Marktes unterliegt, beharrt die deutsche Bundesliga kontinuierlich auf ihren zumindest scheinbar traditionsbewussten Weg. 

Fußball – das bedeutet längst nicht mehr nur 22 Mann auf dem Platz, einen Ball und Zehntausende Fans auf den Rängen. Seit geraumer Zeit schon ist des Deutschen liebster Sport zum Politikum avanciert. Die Diskussion dreht sich in erster Linie allerdings um das, was abseits des heiligen Grüns vor sich geht. Das Geschehen wird nämlich zunehmend von finanzkräftigen Investoren und lukrativen TV-Verträgen bestimmt. Noch kann jede Liga für sich selbst entscheiden, wie sie dem vermeintlichen Geldsegen gegenübersteht. Auch die deutsche Bundesliga hat sich dabei positioniert – und nimmt mit ihrer harten Haltung gegenüber Investoren eine regelrechte Ausnahmestellung im internationalen Vergleich ein. Das wird bei einem Blick auf die Transferbilanzen der Top-Ligen in den letzten Jahren besonders deutlich.

Die Bundesliga auf Sparkurs

Dabei offenbaren sich gravierende Unterschiede zwischen den höchsten Spielklassen aus England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Im Transfersommer 2018 lag die Bundesliga mit einer knappen halben Milliarde an Gesamtausgaben deutlich hinter ihren Konkurrenten, die englische Premier League investierte etwa das Dreifache in neue Spieler. Neben der konsequenten Sparpolitik vieler deutscher Klubs ist dieser Unterschied auch in der 50+1-Regel begründet. Sie besagt, dass die Vereine selbst mehr als Hälfte ihrer eigenen Stimmanteile behalten müssen. So wird bislang verhindert, dass Investoren einen gesamten Klub übernehmen und plötzlich Transfers in ungeahnten Sphären möglich sind. Die Regelung gilt bei vielen Fans als heiliger Gral.

Im internationalen Vergleich fällt die Bundesliga allerdings zusehends ab. Die geringeren Investitionen spiegeln sich immer mehr in den (Miss-)Erfolgen in internationalen Wettbewerben wider. In der Fünfjahreswertung belegt die Bundesliga nur noch den vierten Platz, im Vorjahr erreichte sie eine historisch schlechte Punktzahl. Das führt zu einer besonderen Korrelation: Bezogen auf die gesamten Transferausgaben hat nur England mehr Geld für einen Punkt in der Fünfjahreswertung ausgegeben, die eigentlich sparsame Bundesliga folgt auf dem zweiten Platz. Zwar kann die deutsche Eliteliga auf eine stets ausgeglichene Transferbilanz verweisen – ein gewisser Abwärtstrend lässt sich in den vergangenen Jahren dennoch konstatieren.

England im Rausch, Spanien findet die perfekte Balance 

Einen gänzlich anderen Weg verfolgt die englische Premier League. Dort sind viele Klubs mittlerweile in der Hand von privaten Anlegern, Geld spielt in vielen Fällen nur eine zweitrangige Rolle. Bereits zum fünften Mal in Folge lagen in diesem Sommer die Transferausgaben aller Vereine über einer Mrd. Euro. Noch stehen die riesigen Investitionen in einem schlechten Verhältnis zu den Erfolgen, mit rund 80 Mio. Euro zahlte die Premier League zuletzt am meisten für einen Punkt in der Fünfjahreswertung. Zudem ist sie die einzige Spielklasse, die in der Transferbilanz konsequent Verluste einstreicht, in diesem Sommer war es über eine Milliarde Euro. Ein Zustand, der sich wohl nicht dauerhaft fortführen lässt.

Deutlich nachhaltiger wirtschaftet die spanische La Liga. Die jährlichen Transferausgaben bewegen sich zwar zusehends in Richtung der Milliarden-Marke, trotzdem kann man noch von einer gesunden Entwicklung sprechen. Besonders der Blick auf die Fünfjahreswertung zeigt: Das Verhältnis zwischen Ausgaben und Erfolg ist konstant und so gut wie bei keiner anderen Liga. Vier Europa-League- und fünf Champions-League-Title in den letzten fünf Jahren sprechen für sich.

Foto: charnsitr / Shutterstock.com

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